Was ist Einkaufs-Excellence einer Klinik wirklich wert?
Ich hätte einen Themenwunsch an Herrn Eltzholtz, der Podcast-Host des Podcasts HealthcareBrain ist.
Eine Frage, die mich schon lange beschäftigt und die aus meiner Sicht gerade angesichts des erheblichen wirtschaftlichen Drucks auf Krankenhäuser eine größere Diskussion verdient:
Wann ist eine Klinik bereit, bewusst in Excellence im Einkauf zu investieren?
Dabei geht es für mich ausdrücklich nicht um eine einfache Gegenüberstellung von jungen und erfahrenen Einkäufern. Wir brauchen Nachwuchs, neue Perspektiven, digitale Kompetenz und Menschen, die sich entwickeln wollen.
Aber Einkaufs-Excellence entsteht nicht allein durch die Besetzung einer Stelle.
Sie entsteht aus einer Kombination von fundierter Ausbildung, Methodenkompetenz, Marktkenntnis, Verhandlungserfahrung, strategischem Denken, medizinischem Produktverständnis und der Fähigkeit, unterschiedliche Interessen innerhalb einer Klinik zusammenzuführen.
Und genau an dieser Stelle wird die Frage nach dem Wert von Erfahrung und Seniorität interessant.
Ein jüngerer Einkäufer ist in der Regel günstiger zu beschäftigen als ein versierter Senior. Betrachtet eine Geschäftsführung jedoch ausschließlich die Personalkosten, greift diese Rechnung aus meiner Sicht zu kurz.
Denn die entscheidende Frage lautet nicht:
Was kostet der Einkauf?
Sondern:
Welchen Wertbeitrag erzeugt er?
Professioneller Klinikeinkauf ist weit mehr als Bestellabwicklung.
Einkaufs-Excellence bedeutet, Märkte zu verstehen, Kostenstrukturen zu analysieren, Verhandlungen professionell vorzubereiten und zu führen, Warengruppen strategisch zu entwickeln, Produkte zu standardisieren, Verträge konsequent zu steuern, Lieferantenportfolios zu optimieren und Versorgungssicherheit mit Wirtschaftlichkeit zu verbinden.
Bei Einkaufsvolumina in Millionenhöhe kann der Unterschied zwischen durchschnittlichem und exzellentem Einkauf erheblich sein.
Ein exzellenter Einkäufer oder Einkaufsleiter kostet möglicherweise mehr. Wenn seine Kompetenz aber dazu führt, Beschaffungsstrategien zu verbessern, Risiken zu reduzieren, bessere Konditionen durchzusetzen und nachhaltige Einsparungen in erheblicher Größenordnung zu realisieren, verändert sich die wirtschaftliche Betrachtung vollständig.
Dann ist Kompetenz keine reine Personalkostenfrage mehr.
Sie wird zur Investitionsentscheidung.
Genau hier sehe ich für den Klinikeinkauf noch eine spannende Diskussion.
In vielen Industrieunternehmen ist der Einkauf längst als strategische Managementfunktion etabliert. Im Gesundheitswesen begegnet einem dagegen teilweise noch immer die Vorstellung, Einkauf bestehe im Wesentlichen aus Bestellen, Angeboteinholen und Preisvergleichen.
Doch Bestellen ist Administration.
Einkaufs-Excellence ist Management.
Deshalb würde ich mir wünschen, dass Herr Eltzholtz dieses Thema bei HealthcareBrain einmal aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet:
Wie definiert sich Excellence im Klinikeinkauf?
Welche Kompetenzen unterscheiden einen guten von einem exzellenten Einkäufer?
Welchen wirtschaftlichen Wert besitzt Erfahrung?
Wie entwickeln wir junge Talente systematisch in Richtung Excellence?
Wo liegt die richtige Balance zwischen Nachwuchsförderung und Seniorität?
Und vor allem:
Wann erkennt eine Geschäftsführung, dass die Investition in exzellente Einkaufskompetenz nicht einfach höhere Personalkosten bedeutet, sondern einen erheblichen wirtschaftlichen Werthebel darstellen kann?
Vielleicht müssen wir deshalb die klassische Betrachtung umdrehen.
Nicht:
Was kostet uns ein exzellenter Einkäufer?
Sondern:
Was kostet uns dauerhaft ein Einkauf, der unter seinen Möglichkeiten bleibt?
Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten sollten Kliniken ihren Einkauf deshalb nicht primär als administrative Kostenstelle betrachten.
Richtig aufgestellt ist Einkauf ein strategischer Werthebel.
Und je größer dieser Hebel ist, desto entscheidender wird die Qualität der Menschen, die ihn bedienen.
