Namibia Schulprojekt als Update – Ziele 2026 und mehr!
In einer der abgelegensten Regionen Namibias, im Kaokoveld im Nordwesten des Landes, liegt Okapara. Eine Gegend, die geprägt ist von Weite, Trockenheit, großer Armut und nahezu fehlender Infrastruktur. Straßen existieren nur rudimentär, medizinische Versorgung ist kaum erreichbar, Strom und sauberes Wasser sind keine Selbstverständlichkeit. Für viele Kinder dieser Region bedeutete das lange Zeit vor allem eines: kein verlässlicher Zugang zu Bildung, keine regelmäßigen Mahlzeiten und kein geschützter Ort, an dem sie einfach Kind sein können.
Im März 2025 wurde in Okapara die „Marlies und Ernst Ebler Primary School“ eröffnet. Damit entstand erstmals ein fester Ort für Lernen, Betreuung und Schutz. Die Schule ist das Ergebnis eines privat initiierten und über die Stiftung FLY & HELP realisierten Projekts, das von Christiane und Oliver Becker eng begleitet wird. Der Ansatz ist bewusst pragmatisch: keine kurzfristige Hilfe, kein Aktionismus, sondern ein Schritt-für-Schritt-Aufbau mit dem klaren Ziel, langfristig tragfähige Strukturen zu schaffen.
Aktuell besuchen 166 Kinder die Schule. Für viele von ihnen ist es der erste regelmäßige Kontakt mit Unterricht, festen Tagesstrukturen und einem sicheren Umfeld. Die Schule bietet nicht nur Unterricht, sondern auch Schutz: Da es bislang noch keine separaten Schlafräume gibt, übernachten die Kinder in den Klassenräumen. Das ist keine ideale Lösung, aber eine deutlich bessere Alternative als das Schlafen im offenen Buschland ohne Schutz vor Wetter, Tieren oder anderen Risiken.
Die Versorgung der Kinder ist weiterhin sehr einfach. In der Regel erhalten sie derzeit eine Mahlzeit pro Tag, meist auf Basis von Maismehl. Das ist knapp, reicht nicht aus und ist allen Beteiligten bewusst. Gleichzeitig zeigt sich hier sehr konkret, wie vergleichsweise kleine Beträge bereits eine spürbare Wirkung entfalten können. Schon eine zusätzliche einfache Mahlzeit pro Tag würde die Situation erheblich verbessern und ist finanziell überschaubar realisierbar. Diese unmittelbare Verbindung zwischen Hilfe und Wirkung macht das Projekt greifbar und ehrlich.
Organisatorisch wird das Projekt über die Stiftung FLY & HELP getragen. Die Stiftung übernimmt Bau, Koordination, Kontrolle und Mittelverwendung und stellt sicher, dass Spenden zweckgebunden eingesetzt werden. Christiane und Oliver Becker sind dabei keine entfernten Namensgeber, sondern stehen in engem Austausch mit der Stiftung und verfolgen den Fortschritt kontinuierlich. Das Projekt lebt von dieser Kombination aus professioneller Struktur und persönlicher Verantwortung.
Von Anfang an ist das Projekt nicht als Dauer-Spendenprojekt gedacht. Die Perspektive ist klar definiert: Ziel ist es, die Schule so auszubauen, dass der namibische Staat sie langfristig offiziell übernimmt und dauerhaft unterstützt. Dafür sind bestimmte Mindestvoraussetzungen notwendig. Konkret geht es um drei zentrale Bauabschnitte: den Bau von Sanitäranlagen, die Errichtung separater Schlafräume für die Kinder sowie den Bau zusätzlicher Klassenräume, um den wachsenden Bedarf abdecken zu können. Der dafür veranschlagte Gesamtbedarf liegt bei rund 113.000 Euro.
Diese Investitionen sind kein Selbstzweck. Sie bilden die Grundlage dafür, dass der Staat Namibia künftig die Finanzierung der Lehrkräfte, die Bereitstellung von Schulmaterialien und eine deutlich bessere Verpflegung übernimmt. Ziel ist eine langfristige staatliche Trägerschaft, die Stabilität schafft und die Abhängigkeit von privaten Spenden Schritt für Schritt reduziert. Das Projekt folgt damit bewusst dem Prinzip „Hilfe zur Selbsthilfe“.
Ein wichtiger infrastruktureller Schritt wurde bereits umgesetzt: Eine Solaranlage versorgt die Schule mit Strom. Das ermöglicht Licht, eine bessere Organisation des Schulalltags und perspektivisch auch die sichere Lagerung von Lebensmitteln. In einer Region, in der Strom ansonsten nicht verfügbar ist, ist das ein entscheidender Fortschritt.
Der Blick nach vorn ist realistisch, nicht idealistisch. Für 2026 liegt der Fokus darauf, weitere Mittel für die geplanten Bauabschnitte zu sammeln und gleichzeitig die laufende Versorgung der Kinder pragmatisch zu verbessern. Niemand erwartet schnelle Wunder. Das Projekt entwickelt sich bewusst in kleinen, stabilen Schritten. Jeder Bauabschnitt, jede zusätzliche Mahlzeit, jede Verbesserung der Infrastruktur bedeutet konkret bessere Lebensbedingungen für Kinder, die ansonsten kaum Chancen hätten.
Was dieses Projekt besonders macht, ist seine Haltung. Es geht nicht um Sichtbarkeit, nicht um Selbstdarstellung, nicht um moralische Überhöhung. Es geht um Verantwortung, Verlässlichkeit und das stille Wissen, dass Hilfe dann am wirksamsten ist, wenn sie konsequent, bodenständig und langfristig gedacht wird. Okapara ist kein Symbolprojekt. Es ist ein Ort, an dem Bildung, Schutz und Perspektive langsam, aber nachhaltig entstehen.
