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Einkauf und Logistik neu gedacht!


Der Einkauf steht seit Jahren unter wachsendem Druck. Volatile Märkte, fragile Lieferketten, steigende regulatorische Anforderungen und ein hoher Anspruch an Wirtschaftlichkeit prägen den Arbeitsalltag. Gleichzeitig wird immer deutlicher: Viele dieser Herausforderungen lassen sich nicht isoliert im Einkauf lösen. Sie entstehen – und lassen sich beherrschen – an der Schnittstelle zur Logistik.

In diesem Gastbeitrag beleuchtet Clemens Kasimir, Projektkoordinator Logistik, warum Einkauf und Logistik enger zusammenwachsen müssen und wie aus operativer Zusammenarbeit ein moderner, tragfähiger Ansatz entsteht.

In vielen Organisationen wird Logistik noch immer primär als operativer Ausführungsbereich verstanden. Transporte, Lagerung und Bereitstellung sollen vor allem effizient und kostengünstig funktionieren. Diese Sichtweise greift jedoch zu kurz. Logistik beeinflusst zentrale Erfolgsfaktoren des Einkaufs unmittelbar: Lieferfähigkeit, Versorgungssicherheit, Kapitalbindung, Reaktionsgeschwindigkeit sowie die Akzeptanz bei internen Bedarfsträgern.

Gerade in Zeiten unsicherer Lieferketten zeigt sich, dass selbst sehr gute Preisverhandlungen wenig Wirkung entfalten, wenn Materialien nicht verfügbar sind oder Prozesse nicht stabil laufen. Logistik ist damit kein nachgelagerter Kostenblock, sondern ein wesentlicher Werttreiber entlang der gesamten Beschaffungskette.

In der Praxis treffen Einkauf und Logistik jedoch häufig auf historisch gewachsene Strukturen. Der Einkauf verhandelt Konditionen und Verträge, die Logistik sorgt anschließend dafür, dass die Umsetzung funktioniert. Verantwortlichkeiten sind nicht immer klar abgegrenzt, relevante Daten liegen verteilt vor und Entscheidungen werden nicht konsequent aus einer Total-Cost-of-Ownership-Perspektive getroffen. Das führt zu Reibungsverlusten, Mehraufwänden und vermeidbaren Risiken.

Erfolgreiche Organisationen gehen hier einen anderen Weg. Sie binden logistische Expertise frühzeitig in Beschaffungsentscheidungen ein – bereits in der Ausschreibungs- und Konzeptionsphase. Neben Preisen werden Logistikkonzepte, Versorgungsmodelle, Flexibilität und Skalierbarkeit bewertet. Einkauf und Logistik agieren nicht als getrennte Funktionen, sondern als gemeinsames Steuerungsteam.

Ein weiterer zentraler Faktor ist eine klare Governance. Wer entscheidet was? Auf welcher Datenbasis? Mit welchen Zielgrößen? Transparente Kennzahlen zu Beständen, Durchlaufzeiten, Versorgungssicherheit und Kostenwirkungen schaffen die Grundlage für belastbare Entscheidungen und eine sachliche, professionelle Diskussion mit Lieferanten – jenseits kurzfristiger Preisargumente.

Dabei geht es nicht darum, jeder technologischen Entwicklung unkritisch zu folgen. Nicht jede Organisation benötigt hochautomatisierte Lager oder komplexe Prognosemodelle. Was jedoch immer erforderlich ist, sind saubere Prozesse, klare Kommunikation und ein gemeinsames Verständnis für die jeweiligen Anforderungen und Rahmenbedingungen. Moderne Logistik beginnt nicht mit Technologie, sondern mit Struktur, Klarheit und Zusammenarbeit.

Die Zukunft des Einkaufs liegt daher nicht in einer weiteren Trennung von Zuständigkeiten, sondern in einer stärkeren Integration. Einkauf und Logistik verfolgen dasselbe Ziel: eine wirtschaftliche, stabile und verlässliche Versorgung. Dort, wo beide Bereiche gemeinsam denken und handeln, entsteht Resilienz – und ein nachhaltiger Mehrwert für die gesamte Organisation.

Gastautor

Clemens Kasimir ist Projektkoordinator Logistik und begleitet bereichsübergreifende Projekte an der Schnittstelle von Einkauf, Logistik und operativem Betrieb. Sein Fokus liegt auf praxisnahen, umsetzbaren Lösungen, die Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit nachhaltig verbinden.

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